Liam

Liam, Teil 6

Langsam wird es ernst. Nicht das es Liam bisher das nicht gewesen wäre, aber was weg ist, ist nun mal weg. Was ich sagen will: Er hat die erste Operation hinter sich gebracht. Die Erste von vielen weiteren. Wenn man die Wandlung von einer Frau zu einem Mann macht kann man, so komisch das auch klingt, nach jedem Schritt auch aufhören. Liam natürlich nicht. Er will den Weg bis zum Ende gehen. Also auch die männlichen Geschlechtsorgane nachbilden lassen.
Nachdem wir das schon mal geklärt hatten, hat Nicole dann munter weiter gemacht mit ihren indiskreten Fragen. Hier also ein paar Antworten auf Fragen die ich mich nicht zu fragen traute:
Wie fühlt es sich an, die Hormonwelt einer Frau (PMS, Stimmungsschwankungen, Zickenalarm, Tratsch) mit der eines Mannes (Wettkampf!) zu tauschen?
Er meinte, die richtigen „Mädchen“- Sachen wären noch nie seins gewesen, also kein PMS oder Stimmungsschwankungen. Die Hormone hätten ihn aber wohl, zumindest am Anfang, etwas aggressiver, was sich aber wieder etwas gelegt hätte. Obwohl, eine richtige Schlägerei fehle ihm schon noch irgendwie.Ein Unterschied zwischen den Damen und Herren der Schöpfung ist der Umgang miteinander, z.B. nach einem Date. Also (mädelslike) 100.000 WhatsApp/SMS oder (wie ein echter Mann) nicht mehr anrufen.
Da hat er nur gelacht. Aber Nicole hat das dann im Selbstversuch getestet. Nach dem Shooting kamen auf ihre Nachrichten ganz viele Antworten. 😉Nächste Frage: Wie sieht es mit Familie aus, willst Du Kinder?
Diese Frage überfordert viele so junge Männer. Aber nach etwas nachbohren: Ja, vermutlich schon. Vielleicht darf ich die Hochzeits- und Babyfotos machen? 🙂Operationen gehen an Körpern nicht ganz spurlos vorüber. Deshalb die Frage, inwieweit die Narben sichtbar bleiben und ob das ein Problem ist, z.B. im Freibad.
Das ist kein Problem. Er hat einen Schönheitschirurgen als Operateur, der kann sowas, ohne dass es unschön aussieht.

Soweit zu den neugierigen Fragen. Jetzt gibt es die Bilder von unserem Date. Wir waren wieder mal im Studio. Das Wetter war nicht besonders und die Sonne war auch schon untergegangen. Wir haben versucht ein paar Bilder aus dem ersten Shooting noch mal zu fotografieren. Unglaublich, wie er sich im Laufe des letzten Jahres verändert hat.

Es war wie immer ein lustiger, wunderbarer Nachmittag, wir haben viel gelacht und geblödelt. Außerdem finde ich es schön, jemand zu kennen, der so konsequent sein Ding macht. Eintritt für das, was er ist. Und damit auch anderen Mut macht, ihren Weg zu gehen.
 

Liam, Teil 5

Heute gibt’s mal wieder was neues von Liam. Wir haben uns schon Mitte November zu unserem Shooting getroffen. Grau war es und kalt. Liam erzählt von den Mühen, die es kostet seinen Vornamen ändern zu lassen. Wie für alles in diesem Land gibt es dafür natürlich entsprechende Regeln und Gesetzte. Die besagen in einem solchen Fall, das zwei unabhängige Gutachter noch mal feststellen müssen, das man wirklich jemand anders werden will. Das Amtsgericht stellt dann nach einem weiteren persönlichen Gespräch fest, das der Vorname geändert werden darf. Alles nicht so einfach und mit viel Aufwand und Zeit verbunden. Nichts was man mal so nebenbei macht. Aber jetzt ist es offiziell: Liam heißt jetzt offiziell Liam. Ein riesiger Schritt.
Aber eben nur ein Schritt. Vor ihm liegen die Operationen, die auch körperlich alles ändern werden. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Zielstrebigkeit und dem Durchhaltevermögen, das Liam hat, das alles in letzter Konsequenz durchzuziehen. Wenn man sich diesen Weg immer mal wieder vor Augen führt, kommen einem die Probleme und Aufgaben, die man selber so mit sich rumschleppt, plötzlich so klein und albern vor.

Vielen Dank Liam, das wir Dich begleiten dürfen, es ist sehr inspirierend Dir zuzuschauen.

Fotografisch gibt es diesmal nichts neues. Bisschen analog, bisschen digital. Studio war uns zu langweilig, deshalb waren wir in Heilbronn auf dem Bahnhof. Leider hab ich viele der analogen Bilder versemmelt (Fokussieren ist ein Arschloch). Ich arbeite dran.

Liam, Teil 4

Schon das vierte Mal, dass wir uns mit Liam getroffen haben, um seinen Weg vom Mädchen zum Mann zu begleiten. Zeit für einen kleinen Rückblick. Und vielleicht Einstieg für alle, die neu auf diese kleine Serie stoßen.
Wir haben Liam, damals noch als Ai (Aileen), bei einem Auftritt von „Red Reason“ kennengelernt. Schon damals nahmen wir Ihn als Wanderer zwischen den Geschlechtern war. Kleidung wie ein Junge, Gesichtszüge und Körper eher weich und feminin. Aber auf einer Bühne verschwimmt viel und was echt und was gespielt ist oft nicht zu unterscheiden.
Wir lernten die Menschen auf dieser Bühne näher kennen und wurden Freunde und hörten so auch mehr über die Geschichte von Liam. Im Dezember 2015 begann er dann mit der Hormontherapie, die ihn auch körperlich zu dem macht, was er im Kopf schon immer war: einen Mann.
Für uns der Anlass den Weg ein wenig mit der Kamera zu begleiten, Bilder zu schaffen, die wichtig sind. Wichtig weil sie dokumentieren was war und was wird. Wichtig weil sie einen Menschen zeigen, der seinen Weg geht, auch wenn es manchmal nicht leicht ist. Wichtig, weil sie vielleicht anderen Mut machen ihr Leben zu ändern, weil sie fühlen, das ihr Leben nicht zu ihnen passt.

Zur Erinnerung hier die bisherigen Einträge:

Und jetzt also Teil 4.
Es ist Sommer, also waren wir auch draußen. Start ist trotzdem das Studio, wieder mit Film. Die Kiev ist toll.
Ich finde das Mädchen ist weg. Nichts deutet mehr darauf hin. Körperlich geht es jetzt bald mit den Operationen weiter. Der letzte große Schritt.

Liam, Teil 3

Kaum zu glauben. Es ist erst vier Monate her, dass wir mit unserer kleinen Serie angefangen haben. Er hat sich verändert. Sehr sogar. Mehr als die Bilder zeigen können. Aber schon die Bilder zeigen viel.
Da das Wetter diesmal ganz gut war haben wir beschlossen, unser Glück mal draußen zu versuchen. Was gelernt dabei: es ist definitiv von Vorteil, wenn man die Location schon vorher rausgesucht hat. Dann muss man nicht erst stundenlang durch die Gegend irren. Netten Besuch vom Wachschutz hatten wir dann auch noch. Haben uns aber nicht beirren lassen und haben weitergemacht. Leider ist mir während der Session das Objektiv meiner Mamiya kaputtgegangen. Deshalb gibt es leider nix analoges (außer vom „Russen“).

Liam wird immer mehr zum Mann. Nicht nur der Körper ändert sich, auch die Gesten und die Bewegungen. Er hat die Therapie auf Hormonspritzen umgestellt, dass beschleunigt alles noch mal.

Aber genug davon. Hier die Bilder. Vielen Dank an Liam für das Vertrauen.

Liam, Teil II

Etwas mehr als zwei Monate sind vergangen, und Liam ist wieder zu uns für ein weiteres Shooting gekommen. Nicht selbstverständlich wie wir finden, es geht schließlich nicht um eine Kleinigkeit. Es ist bewundernswert mit welcher Selbstverständlichkeit er mit der Situation umgeht. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Alle anderen, inklusive uns, scheinen sich mehr Gedanken über die Folgen dieses Schrittes zu machen als er selbst. Da ist keine Angst, keine Sorge, nur Zuversicht.
Hat er sich verändert? Wir finden ja. Aber das ist unser subjektiver Eindruck. Bildet Euch mit Hilfe der Bilder selbst eine Meinung.

Fotografisch haben wir diesmal etwas experimentiert. Sowohl digital als auch analog Doppelbelichtungen versucht, weil es irgendwie gut zum Thema passt.

Liam, Teil 1

Was wäre wenn? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich der wäre der ich bin? Wie würde sich mein Leben ändern?

Aus Aileen wird Liam.

Die Hormonbehandlung wird die Stimme verwandeln, den Bart wachsen lassen, den Körperbau verändern. Und wird ihn zu dem machen, was er im Kopf schon immer war, ein Mann.

Wir werden versuchen die Veränderungen in den nächsten Monaten und Jahren ein wenig fotografisch zu dokumentieren. Es sollen Portraits sein, die etwas über Ihn erzählen. Über Gedanken und Gefühle. Vielleicht immer mal wieder ein paar Worte von Ihm oder Nicole und mir. Wir sind gespannt und hoffen, dass alles so wird, wie er sich das vorstellt.

Hier also die ersten paar Bilder. More to come…